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14.08.2008

Die weibliche Jagd nach dem Mammut

Dass sich Frauen nicht nur für das Pflücken von Beeren und das Sammeln von Details eignen, weiß Albrecht Bühler, GaLaBau-Unternehmer aus Nürtingen, schon lange. Bei ihm jagen Sie gemeinsam mit ihren männlichen Kollegen das Mammut, sprich den Erfolg auf der Baustelle. Gerade die baden-württembergischen Landschaftsgärtnerinnen Melina Kasper und Laura Neuffer haben ihre Fähigkeiten in den letzten Jahren bei Landessiegen, Bundessiegen und bei den World Skills in Japan unter Beweis gestellt und trotzdem beträgt die Frauenquote auch im Ländle gerade mal 8,4 (2006) Prozent

Eva Müller und Jennifer Schlundt

Eva Müller und Jennifer Schlundt

Mehr Chancen für Frauen
Albrecht Bühler findet es bedauerlich, dass so wenige seiner Kollegen Frauen in der Ausbildung eine Chance geben und hofft, dass dieser Artikel zumindest einige wachrüttelt. Bühler integriert seit einigen Jahren sehr erfolgreich weibliche Mitarbeiterinnen in seine betriebliche „Mammutjagd“, wie er gerne die Bewältigung großer Aufgaben umschreibt. Anja Graner (17 Jahre, Realschulabschluss) hatte über zehn Bewerbungen an Garten- und Landschaftsbauunternehmen geschrieben. Nur ein Betrieb, nämlich die Firma Bühler, hat sich bei ihr gemeldet und sie für ein einwöchiges Praktikum eingeladen. Heute ist Anja im ersten Lehrjahr und begeistert von diesem kreativen Beruf. Dass der Feierabend im Sommer nicht pünktlich um 17.00 Uhr beginnt, ist für sie kein Problem, denn die Arbeit in Bühlers Team macht Spaß. Dieser Meinung schließen sich sofort Eva und Jennifer, ebenfalls „Azubinen“ bei Bühler, an. 

„Bühlers“ Frauenquote
Jennifer Schlundt ist 18 Jahre und macht bei Bühler ihr zweites und drittes Ausbildungsjahr. „Die Jungs hier schaffen gerne mit uns Mädels zusammen und hier kann ich endlich auch mal Bagger und Radlader fahren“, begeistert sich Jennifer, die ihren „selbstständigen“ beruflichen Werdegang schon vor Augen hat. Eva Müller (20 Jahre, Abiturientin) ist die dritte Auszubildende im Bereich GaLaBau bei Bühler. Sie begann ihre Ausbildung in einer Baumschule und wechselte wenige Monate später zur Firma Bühler. „Hier gibt es kein grobes Verhalten, und auch als Frau zählt man hier als volle Arbeitskraft“, begeistert sich Eva, die den männlichen Teamkollegen einen gesitteten Umgang bestätigt. Die vierte weibliche Auszubildende unterstützt Bühler im kaufmännischen Bereich. „Hier habe ich auf die Anregung eines Artikels in der Ausbilder-Info (3/06, „Flexible Alleskönner im Büro“) reagiert und die Frauenquote auch im Büro ausgebaut“, schmunzelt Bühler. Das Durchschnittsalter der Belegschaft bewegt sich um die dreißig Lebensjahre. Von den 40 Mitarbeitern bei Bühler sind acht Frauen, somit liegt die Frauenquote bei 20 Prozent und damit weit über dem Bundesdurchschnitt.

Warum Frauen?
„Frauen denken oft mehr mit, sind häufig talentierter im Organisieren und übernehmen bereits vom ersten Tag an einen Teil der Baustellenverantwortung“, so Bühlers Erfahrungen. Ein positiver Nebeneffekt in seinen Augen ist der bessere Umgangston auf den Baustellen. „Frauen im Team verändern das Miteinander“, weiß Bühler. In gemischten Kolonnen geraten die Männer unter Erfolgsdruck, denn wer lässt sich schon gerne von einer Frau in den Schatten stellen“, ergänzt er. Diese positive Konkurrenzsituation wirkt sich zudem sehr gut auf die Baustellenproduktivität aus. „Unsere „Azubinen“ haben bislang mit den Noten 1,4 und 1,3 die besten Abschlüsse gemacht“, zählt Bühler einen weiteren weiblichen Pluspunkt auf. Während Bühler die männlichen Azubis als mehr „steinfixiert“ beschreibt, sieht er bei den Frauen mehr Interesse für Pflanzen und Kreatives. „Für eine harmonische Bepflanzung kann ich mich begeistern, für eine ebene Betonfläche eher weniger“, ergänzt Eva. Für Bühler ist es deshalb klar, dass jede Frau, die sich um einen Ausbildungsplatz bewirbt, ihre Chance bekommt. Frauen aktivieren das Fürsorgemodul im Mann, ist sich Bühler sicher. „Jeder verfügt über dieses Modul, welches allerdings in gemischten Teams stärker zum Tragen kommt“, erläutert Bühler. Zudem sind besonders junge Frauen viel leichter zu motivieren als junge Männer. Dass es hier und da auch mal zur Pärchenbildung kommt, sieht Bühler als normalen Lebensprozess. Der einzige Nachteil: die Pärchen wollen gemeinsam Urlaub machen.

Melina Kasper schloss im Jahr 2007 als bundesweit bester weiblicher Azubi ab und hat inzwischen einen Teil der Ausbildung im Betrieb Bühler übernommen. Das ehemals geplante Studium wird wohl der Meisterschule und einer Zukunft im GaLaBau weichen. Auch hier kann sich Bühler dem Vorurteil, dass Frauen der Branche nicht treu bleiben, nicht anschließen.

Gute Voraussetzungen
„Die maschinelle Unterstützung auf den Baustellen ist perfekt“, freut sich Jennifer, die trotz körperlicher Anstrengung abends fast nie todmüde ins Bett fällt. Die Vorarbeiter nehmen auch Vorschläge von Auszubildenden an und „alte Zöpfe“ oder überholte Arbeitstraditionen gibt es im Nürtinger Team keine. „Auch das Erklären fachlicher Details ist hier keinem Mitarbeiter zu viel“, begeistert sich Anja. „Wenn die Arbeitsabläufe gut geplant und organisiert sind, schaffen es auch Frauen, lange im Beruf zu bleiben“, erklärt Bühler, der seinen weiblichen Mitarbeiterinnen trotzdem zu Weiterbildungsmaßnahmen rät und diese auch über den Betrieb (Seminare, LKW-Führerschein, Baumkletterkurse, …) anbietet. Dass Frauen keine Kraft haben, ist für Bühler ein unbegründetes Gerücht. „Wenn mir die Jungs die Schubkarre voll schaufeln, muss ich oft noch um einen Nachschlag bitten“, grinst Jennifer, die diesem Vorurteil mit voller Kraft begegnet. „Vieles im GaLaBau hat mit Ausdauer zu tun und hier sind Frauen fast unschlagbar“, beschreibt Bühler die Hartnäckigkeit seiner Damen. „Wenn ich mit dem 3,5-Tonner tanken gehe, bleibt dem Tankwart schon mal der Mund offen stehen“, erzählt Jennifer. Manchen Männern drängt sich dann wahrscheinlich folgende Frage auf: Sie jagt das Mammut und wer räumt die Höhle auf? Die Eingliederung der Frauen in ihre Arbeitsteams beginnt Bühler immer mit einer „Flachetappe“. „Frauen benötigen während ihrer Ausbildungszeit eine kontinuierliche Entwicklung mit laufend neuen Herausforderungen. Der Gipfelsturm kommt im letzten Ausbildungsjahr“, beschreibt Bühler seine Vorgehensweise. „Aussagen wie „Das darfst du nicht“, gibt es bei uns nicht, denn ausprobieren und Erfahrungen sammeln ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht“, erklärt Bühler. Das auf der Webseite gefundene Kundenlob mit folgenden Inhalt spricht für sich: „Die drei Frauen haben bei einem Sauwetter einen sehr guten Job gemacht. Alle Achtung!“

Weiterhin innovativ
Inzwischen verfügt Bühler über eine Anerkennung als Ausbildungsbetrieb in der Fachrichtung Handwerk für den BA (Berufsakademie)-Studiengang Betriebswirtschaftslehre. Auch das Studium Landschaftsbau Management dual, wie es die Fachhochschule Weihenstephan seit August 2007 anbietet, ist in Bühlers Fokus gerückt. Eine Bewerbung hierfür würde er sehr begrüßen.

Petra Reidel, Grafenau

Albrecht Bühlers Mitarbeiterphilosophie:
Albrecht Bühler studierte Sozialpädagogik, bevor er sich mit einem Baumpflegebetrieb selbstständig machte. Heute leitet der Landschaftsgärtner und Fachagrarwirt die 40 Mitarbeiter seines GaLaBau-Betriebes in Nürtingen und sein Engagement in Sachen Personalführung und –entwicklung ist vorbildlich. So sah dies auch die IHK und zeichnete den Betrieb im Jahr 2008 mit dem Innovationspreis aus. „Unsere Tür ist für alle offen und wenn die Leistung auf den ersten Blick auch nicht stimmt, bekommt bei uns jeder eine Chance“, beschreibt Bühler seine Philosophie. Die Entwicklung von der Raupe bis zum Schmetterling enthält für Bühler einfach zu viele interessante menschliche Herausforderungen, als dass er sich diesem Reiz entziehen könnte. Klappt es nicht, so ist Bühler ehrlich und zieht die Konsequenzen. „Menschen fördern und entwickeln, macht Spaß, denn man bekommt unglaublich viel Einsatz zurück“, bestätigt Bühler. Seine Botschaft an die Kollegen: „Gebt den Mädels eine Chance und lasst sie auf jeden Fall ein betriebliches Praktikum absolvieren, bevor ihr eine Entscheidung trefft.“

 

>> lesen Sie hierzu auch den Artikel aus Ausbilder-INFO August 2008

 


Erschienen in Aktuelles