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26.04.2007

Girls'Day

Julia Eberspach und Tabea Maier nutzten den Girls'Day, um den Beruf Landschaftsgärtner kennenzulernen. Wir nahmen zum 3. Mal am Mädchen-Zukunftstag teil.


"Der Girls'Day ist doch mal etwas anderes"

 
Bereits zum siebten Mal hatten Mädchen die Möglichkeit zu Einblicken in naturwissenschaftlich-technische Berufe

NÜRTINGEN. Der Girls'Day, den es gestern auch im Raum Nürtingen gab, bietet Schülerinnen einmal im Jahr die Möglichkeit, Berufsfelder zu entdecken, in denen bisher erst wenige Frauen beschäftigt sind. Dazu zählt unter anderem auch der Garten- und Landschaftsbau. Albrecht Bühler aus Nürtingen gewährte daher zwei Schülerinnen des Max-Planck-Gymnasiums einen Tag lang Einblick in seinen Betrieb.


BEATRICE PAPE

Die meisten Mädchen und jungen Frauen in Deutschland verfügen über eine besonders gute Schulbildung. Ihr Bildungsniveau ist in den letzten 20 Jahren stark angestiegen. Laut dem Statistischen Landesamt hat sich der Anteil der Frauen ohne Berufsausbildung in Baden-Württemberg seit 1982 von rund 42 Prozent auf 24 Prozent nahezu halbiert. Der Anteil der Akademikerinnen hat sich wiederum in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt, von sechs auf 13 Prozent.

Trotzdem entscheiden sich Frauen überproportional häufig für typisch weibliche Berufe. Der Arbeitsmarkt weist eine starke geschlechtsspezifische Unterteilung auf. Dies zeigt eine Rangliste des Statistischen Bundesamtes Deutschland. 2006 übten fast 20 Prozent aller erwerbstätigen Frauen in Baden-Württemberg einen kaufmännischen Beruf aus. Die zweitgrößte Gruppe bildeten mit annähernd elf Prozent die Gesundheitsberufe. Auf Rang drei und vier lagen mit sieben Prozent das Verkaufspersonal und die sozialen Berufe. Es folgten unter anderem Reinigungs- und Entsorgungsberufe sowie lehrende Berufe. In der Rangliste ist jedoch kein einziger technischer Beruf vertreten. Dabei fehlt den Betrieben gerade in technischen und techniknahen Bereichen zunehmend qualifizierter Nachwuchs.

Der Girls'Day ist ein bundesweiter Aktionstag, der Schülerinnen der Klassen fünf bis neun das Kennenlernen von Berufen ermöglicht, die sonst möglicherweise nicht in ihr Blickfeld gelangen würden, so Dörte Jödecki vom Kompetenzzentrum in Bielefeld. Das Kompetenzzentrum setzt sich für die beruflichen Perspektiven von jungen Frauen ein und unterstützt unter anderem den Girls'Day. Die Mädchen können an diesem Tag praktische Einblicke in technische und naturwissenschaftliche Berufe bekommen und ihre Präsenz in diesen Berufen soll gestärkt und gefördert werden.

Auffällig ist auch, dass Frauen in leitender beruflicher Position in Baden-Württemberg immer noch eher die Ausnahme sind. Gerade mal 18 Prozent aller Führungspositionen sind von Frauen besetzt. Damit liegt Baden-Württemberg unter dem Bundesdurchschnitt von 21 Prozent. Somit bleiben Führungspositionen nach wie vor Männersache. Dies soll sich in Zukunft ändern. Mädchen sollen durch den Girls'Day die Vielfalt von Berufen und die damit verbundenen Verdienstmöglichkeiten vor Augen geführt werden. Sie sollen vermehrt zukunftsträchtige Berufe kennenlernen, die mehr Aufstiegs- und Verdienstmöglichkeiten bieten.

Doch auch Männer entscheiden sich hauptsächlich für geschlechtsspezifische Berufe. Die Rangliste der zehn häufigsten Männerberufe in Baden-Württemberg wird vor allem von technischen Berufen dominiert. Traditionelle Männerberufe in Handwerk und Industrie sind Jungen bekannt und führen deshalb immer noch die Hitlisten ihrer Berufswünsche an. Daher startete im Frühjahr 2005 das Projekt Neue Wege für Jungs, das am selben Tag Jungen die Möglichkeit bietet, eher frauentypische Berufe kennenzulernen. Dörte Jödecki: Jungen können so auch ihr Berufswahlspektrum erweitern. Außerdem sollen soziale Kompetenzen gefördert werden, ebenso wie sogenannte Softskills wie Konfliktfähigkeit, Teamfähigkeit oder Flexibilität.

Jugendagentur von Inbus als Kontaktstelle

Allein im Raum Nürtingen boten 27 Unternehmen Jungen die Möglichkeit, diese kennenzulernen. Darunter waren vor allem Kindergärten, Seniorenheime oder Jugendhäuser. Koordiniert wurde der Girls'Day im Raum Nürtingen dieses Jahr zum vierten Mal von Inbus, dem Verein für berufliche und soziale Integration. Die diesjährige Nachfrage am Aktionstag war sehr groß, erläuterte Katharina Braach von der Jugendagentur von Inbus. Fünf Schulen beteiligten sich am Projekt Boys' Day und sieben Schulen am Girls'Day. Darunter auch das Max-Planck-Gymnasium in Nürtingen. Die 14-jährigen Schülerinnen Tabea Maier und Julia Eberspach, die dort die neunte Klasse besuchen, entschlossen sich, freiwillig am Girls'Day teilzunehmen. Sie entschieden sich beim Garten- und Landschaftsbaubetrieb Albrecht Bühler in Nürtingen reinzuschnuppern.

Der Frauenanteil in diesem Betrieb beläuft sich auf 25 Prozent, was laut Bühler relativ hoch sei. In Baden-Württemberg seien in der Gartengestaltung nur 8,4 Prozent der Beschäftigten weiblich, was jedoch auch an der Einstellung der Arbeitgeber liege. Albrecht Bühler dazu: Im Kopf der meisten Unternehmer ist noch nicht präsent, dass Frauen in diesem Beruf sinnvoll und produktiv sind. Seiner Meinung nach bereichern vor allem die weichen Kompetenzfaktoren der Frauen, also die Softskills, ein Unternehmen. Unternehmer, die dies nicht begriffen, seien nicht zukunftsträchtig. Er fügt hinzu: Es ist ein völliger Quatsch zu sagen, Frauen seien für den Beruf ungeeignet. Den besten Abschluss hat bei mir eine Frau gemacht. In seinem Betrieb seien in allen Bereichen auch Frauen beschäftigt. Darunter auch Martina Dongus, die seit neun Jahren in der Garten- und Landschaftspflege tätig ist. Sie habe häufig beobachtet, dass vor allem ältere Kundinnen verwundert waren, warum ausgerechnet eine Frau solch einen Beruf ausübe.

Alte Vorbehalte bei Arbeitgebern vorhanden

Andrea Staffler, die bei Bühler gerade ein Praktikum macht, musste die Vorbehalte, die in dieser Branche gegenüber Frauen immer noch herrschen, am eigenen Leib erfahren. Sie habe an die 15 Bewerbungen geschrieben und bis auf Bühler habe ihr niemand geantwortet. Die Biologiestudentin ist der Ansicht, dass die Unternehmer kein Interesse an weiblichen Praktikantinnen hatten. Dabei könne sie sich gut vorstellen, den Beruf auszuüben. Ich bin begeistert, sagte sie bereits am zweiten Arbeitstag. Der Student Sebastian Ertel, der einmal die Woche bei Bühler mitarbeitet, sagt zudem: Ich finde es toll mit Frauen zusammenzuarbeiten. Sie seien kooperativer und teamfähiger und besäßen zudem die gleichen Fähigkeiten wie Männer. Für die schwereren körperlichen Tätigkeiten gebe es im Beruf auch Hilfsmittel.

Für Tabea und Julia, die an zwei verschiedenen Baustellen in Bad Cannstatt und in Esslingen mitarbeiten konnten, war der Tag eine interessante Erfahrung. Tabea gefiel die Arbeitsatmosphäre besonders: Die Jungs sind sehr nett, sagte die Schülerin. Den Beruf auszuüben, könne sie sich jedoch nicht vorstellen. Dies liege aber nicht daran, dass sie sich nicht dazu in der Lage fühle.

Auch Julia kann sich eher nicht vorstellen, den Beruf auszuüben. Trotzdem fand sie, dass der Tag Spaß gemacht hat. Der Girls Day ist mal etwas anderes, sagte die 14-Jährige.


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